... we live the passion
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Erlebnisberichte

Hochwassertage … von Johannes Martin

Ein knapper Meter!? … hmm … das reicht

murmle ich vor mich hin, als ich die Karausche beim Blick auf das Echolot lospaddeln lasse. Das kaffeebraune Wasser um mich herum sprudelt wortwörtlich vor Leben. Die Weißfische erfreuen sich an den vom Hochwasser aufgewirbelten Proteinbomben, die ihnen die Strömung mundgerecht serviert. Die Raubfische markieren den lachenden Dritten und stürzen sich mit vollem Körpereinsatz ins reichlich gedeckte Buffet.

Kurze Zeit später beobachten Leon und ich dieses Treiben von Land aus, hinter den fertig präparierten Ruten sitzend. Immer wieder schießen Döbel und Rapfen auf der Jagd aus dem Wasser und scheuchen die Kleinfischschwärme hin und her. Der große Schwarze zeigt sich zwar bisher noch nicht, jedoch ist seine Anwesenheit praktisch spürbar, denn bei so einem Inferno für seine Rezeptoren und Sinnesorgane wird er gar nicht anders können, als seine Barteln früher oder später in unsere Richtung zu schieben. Währenddessen hängen unsere Köder wie kleine Extra-Bonbons im besagten „Buffet“ und warten sichtlich nervös auf einen Abnehmer.

Nach einer überstürzten Fluchtaktion meiner Karausche scheint es endlich soweit zu sein. ER hat den Weg zur Speisekammer tatsächlich gefunden und beendet mit einem harten Ruck die hektischen Fluchten des Köderfischs. Der ebenso kräftige Anhieb geht voll ins Leere, was bleibt sind ungläubige Blicke und ein verschleimtes Vorfach.

Doch lange Zeit zur Trauer bleibt nicht …

denn Leon macht es Minuten später besser und setzt einen Volltreffer! Das flache Wasser beginnt schlagartig zu kochen und „klatsch“, teilt der Waller die Oberfläche mit seinem Schwanz. What a feeling!!! Unsere Ohren lassen uns erahnen, dass der Fisch wohl „metrig“ sein müsste, was die herrlich gebogene Rute bestätigt. Nach einigen heftigen Fluchtversuchen und einer problemlosen Landung, kann Leon seinen schönen Fang stolz im Blitzlichtgewitter präsentieren.

Das Treiben an der Wasseroberfläche beruhigt sich nun allmählich. Der Fisch ist zurück in der braunen Brühe und wir quatschen noch ein bisschen über das Geschehene bis wir schließlich einschlafen.

Der Rest der Nacht bleibt mit Ausnahme einer weiteren Fehlattacke ruhig, bis um 5 Uhr der Wecker klingelt. Zufrieden verstauen wir unsere Sachen im Auto und machen uns auf den Weg in Richtung Heimat.

12 Uhr … ich sitze in der Mittagspause

Das Hochwasser, die vergangene Nacht und die vergebenden Chancen immer noch vor Augen. Der Blick auf die vom Waller demolierten Finger und die „Angst“ diese Hochwasserphase nicht optimal ausnutzen zu können lassen mir keine andere Wahl als Leon eine SMS zu schicken, was er denn heut Abend so „geplant hätte“. Das geantwortete „Bin dabei!“ hatte zur Folge, dass wir uns einige Stunden später wieder auf Weg zum Spot befinden. Leider mussten wir feststellen, dass das Wasser ca. 25cm gefallen war und den Platz von tags zuvor vom „Hot Spot“ zum „Not Spot“ machte.

Flexibilität zahlt sich beim Fischen immer wieder aus und so schafften wir es unsere Köder an diesem Abend doch noch pünktlich zur heißen Phase an einem anderen Ort in die Verlosung zu bringen.

Die Dämmerung schafften wir ohne „personelle Einbußen“ an der Front

Mitten in die Tiefschlafphase platzt dann eine Attacke, der man ohne weiteres einen richtig guten Fisch hätte zuordnen können. Zum Vorschein kommt allerdings ein kleiner, aber für seine Größe unheimlich fetter Wels, der um das Entfernen des unfreiwilligen Piercings bittet.

Danach geht‘s wieder in den Schlafsack …

an dem sich mittlerweile etliche Nacktschnecken zu schaffen machen, da ich das Fußende beim Aufspringen in die Wiese habe fallen lassen und ihnen so einen genialen Kletterparcour schuf. Und Kai, lass es dir an dieser Stelle gesagt sein, bei deinem Bericht „Als der Regen kam“ konnte ich bei der Stelle mit den Nacktschnecken mitfühlen, denn es sind auch meine absoluten Lieblingstiere. Dementsprechend groß ist meine Begeisterung in dem Moment, als ich beim Aufheben des Schlafsacks voll in eine dieser Schleimbazillen reingreife! Nachdem ich meinen ungeplanten Besuch höflich „zur Tür gebeten“ habe, verkrieche ich mich wieder im Nightwarrior.

War das grade eine Attacke!?!?

Der Blick zur Rute … jawollja!! Da geht’s vorwärts! Also nichts wie hin, Anhieb setzen und pumpen. Diesmal hat sich scheinbar der Zwillingsbruder des grade erst zurückgesetzten Fisches am Köder vergriffen und schlägt jetzt verzweifelt in die Schnur.

Die Nacht bleibt von nun an ruhig …

sodass wir noch einige Zeit Schlaf finden bevor‘ s erneut heißt, Tackle packen, duschen, Büro. Ein wenig Wehmut ist schon dabei, als wir im Morgengrauen die Montagen abschlagen. Doch so ein Start in den Tag lässt so einiges verschmerzen, vor allem wenn man die Gewissheit hat, in naher Zukunft wieder zurückzukehren. Auch wenn dieses Mal mit einer Ausnahme ausschließlich die „Kurzen“ unterwegs waren, hat dies dem Fazit der Tour nicht geschadet. Denn auch hier muss ich meinen Freund Kai wieder zitieren, der mal irgendwo schrieb „Wer den Kleinen nicht ehrt, ist des Großen nicht wert“. Kai, 1000% agree!!!

Denn wenn es solche Tage nicht gäbe, wüssten wir Zeiten in denen die Großen laufen nicht mehr zu schätzen und die „Suche nach den wahren Giganten“ wäre nicht mehr das was sie ist!

In diesem Sinne …

Gute Zeiten … von Sven Dombach

 

 

Hallo Silures …

ich möchte Euch erneut einen wunderschönen Wels aus der Heimat präsentieren. Ich bin wirklich sehr beeindruckt, welch ein Potential unsere Flüsse in Deutschland haben.

Für diese Saison hatte ich mir vorgenommen konsequent und regelmäßig mein Heimatgewässer zu befischen. Die Spotsuche und Lokalisierung der Fische war für dieses Vorhaben natürlich die Voraussetzung und die Arbeit zahlt sich wirklich aus.

Ich lerne bei jedem Ansitz wieder etwas Neues dazu …

und erfahre unheimlich viel über das Gewässer. Wie so oft sind es Kleinigkeiten, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Wenn man so regelmäßig ein Gewässer befischt, hat man Zeit zum experimentieren und ausprobieren. Das ist sehr spannend und bringt einen weiter, auch für das Fischen an anderen Gewässern.

Bei der momentanen Bestandsdichte und mittlerweile auch beachtlichen Durchschnittsgröße freue ich mich auf die kommenden Jahre, denn auch in unseren Gewässern wachsen still und heimlich die Giganten heran. Jeder, der sich ein bisschen Arbeit macht und etwas Zeit aufwendet, wird dafür belohnt.

Im Moment wird mein Gewässer sehr wenig, gezielt auf Wels befischt …

Viele reden davon, aber in letzter Konsequenz lassen sie sich zu schnell von dem ein oder anderen erfolglosen Ansitz in ihrem Tun verunsichern und stellen das Fischen nach kurzer Zeit wieder ein. Das ist ein Fehler. Hier gilt es weiter zu machen und ein Gespür für den Fisch und das Gewässer zu entwickeln. Wer ein paar Dinge beachtet, wird auch zu seinem Zielfisch kommen.

Aber wer diesen steinigen Weg weiter geht und dann endlich regelmäßig Erfolg hat …

sollte behutsam und vorsichtig mit seinen Fischen umgehen. Damit meine ich nicht den schonenden Umgang mit den gefangenen Fischen (Drill, Landung, Haken lösen, etc.), das setze ich an dieser Stelle einmal voraus. Vielmehr geht es mir darum, dass jedem bewusst sein sollte, dass ein Fisch, der einem Gewässer entnommen wird, dort immer eine Lücke hinterlässt. Weg ist weg und wer das regelmäßig macht, lässt die Population unweigerlich wieder schrumpfen. 2-3 erfolgreiche Fischer können einen Gewässerabschnitt in einem kleinen Gewässer in kurzer Zeit leer räumen. Und es dauert danach wieder sehr lange bis die Natur diesen Verlust kompensieren kann.

Die Bestände sind nicht unerschöpflich. Je kleiner ein Gewässer ist, desto größere Bedeutung hat das „catch and release“. Das gilt natürlich nicht nur für den Wels, sondern auch für andere Fischarten. Immer wenn ein Fischer regelmäßig Fisch fängt, sollte er sich das vor Augen halten.

Denkt mal drüber nach, haltet Maß und geht Euren Weg weiter, es lohnt sich !

In diesem Sinne …

Gradwanderung … von Johannes Martin

 

 

Der Herbst …

Eine der schönsten und erfolgversprechendsten Zeiten des Jahres. Die Blätter der Bäume färben sich nach und nach bunt, das saftige Grün der Schilfgürtel verblasst. Was bleibt ist eine karge und leblos wirkende Landschaft. Die Tage werden kürzer, die Nächte länger. Tagsüber ist es oft sonnig und klar, dafür aber windig und kalt. Nachts bildet sich zumeist dichter Nebel und legt sich wie ein Schleier über die Gewässer und deren Ufer, bis die ersten Sonnenstrahlen den Spuk in der Morgendämmerung wieder beenden.

Doch nicht nur über der Wasseroberfläche ist die Veränderung spürbar. Die Wasserpflanzen sterben langsam ab und legen sich auf den Gewässergrund, Seerosenfelder verschwinden. Auch die Wassertemperaturen sacken in die Tiefe und entscheiden, je nach Verlauf, über Sternstunden und Schneidertage. Auch die Fische bemerken diese Veränderungen und reagieren darauf. Ihr Instinkt bringt sie dazu noch einmal richtig zuzulangen und sich für den bevorstehenden Winter zu rüsten. Auch die Silure folgen diesem Trieb. Wer während dieser Phase am rechten Ort ist, kann zum Ende des Jahres noch einmal richtig ernten.

Der Monat Oktober war deshalb im letzten, wie auch in diesem Jahr ein passender Zeitpunkt für uns, um das Glück einmal mehr auf die Probe zu stellen. An den unterschiedlichsten Gewässern erlebten wir bei diesen Touren einige beeindruckende und unvergessliche Momente. Dabei waren es nicht nur die Fangerfolge die diese Herbstsessions zu besonderen Erlebnissen machten.

Es fängt beispielsweise schon beim Köderfischfang an …

denn dieser wird bei fallenden Temperaturen nicht unbedingt leichter. Oft sind Geduld und Ausdauer, aber auch große Aufmerksamkeit gefragt, um am Abend seine Ruten mit frischen Ködern bestücken zu können. Beim Ausbringen der Montagen kennt der Herbst dann ebenfalls keine Gnade. Mal ist es der Wind, der das Anbinden am anderen Ufer oder das Bojensetzen zur Nervenprobe macht, weil unser Boot immer genau im entscheidenden Moment weg- und unser Blutdruck dadurch in die Höhe gedrückt wird. Ein anderes Mal entschuldigt die Strömung eines Herbsthochwassers keine Fehler und bringt zu allem Überfluss noch jede Menge Treibgut mit sich, das uns die Falle, kurz nachdem wir sie perfekt gestellt und positioniert haben, eiskalt wieder abräumt.

Hinzukommt, dass die Köderfische uns in ihrer Panik …

durch hektische Schwanzschläge im Eimer bzw. beim Rausheben öfters mal ‘ne ordentliche Ladung Wasser auf die Kleidung schaufeln. Was im Sommer noch eine willkommene Abkühlung war, kann uns nun schon schön den Tag vermiesen. Denn was im Herbst erstmal nass ist wird so schnell nicht mehr trocken. Wohl dem, der genügend Wechselkleidung im Petto hat.

Nachdem unsere Ruten dann endlich gelegt sind …

versucht die Flamme unsres Gaskochers laut rauschend das Nudelwasser aufzuheizen, wird aber vom Wind dabei gestört, wodurch das Kochen, neben dem Köfiangeln, ebenfalls zur Geduldsache wird. Doch nicht nur der Flamme macht der raue Herbstwind zu schaffen, auch wir haben bereits die dritte Schicht Kleidung angelegt und blicken aus unserem Shelter auf die Ruten. Mittlerweile ist es Nacht geworden und der Nebel breitet sich still und leise aus. Ehe man sich versieht, ist man komplett darin eingeschlossen. Wacht man am nächsten Morgen auf, ist es keine Seltenheit, dass Taschen, Shelter, Abhakplane und gar der Schlafsack von Reif „befallen“ sind.

Die Nächte sind kalt, da schafft ein heißer Kaffee …

im herbstlichen Sonnenaufgang schon ganz gut Abhilfe. Werden dann am Morgen die Fische der Nacht abgelichtet, kostet ein Wasserfoto schon ein bisschen mehr Überwindung als im Sommer und wird ab 10° Wassertemperatur zur regelrechten Tortur. Aber was soll’s, watt mutt dat mutt!

Ist man nach einem solchen Trip wieder zuhause …

wird man beim Blick auf die Hände schnell vom Erlebten eingeholt, denn diese sind neben den üblichen Biss- und Schürfwunden von Temperaturen, Wind und Feuchtigkeit gezeichnet.

Dies sind nur einige der Faktoren …

die für das herbstliche Angeln diesen besonderen Reiz ausmachen. Die Natur zu erleben, wie sie sich nach und nach für die harte Zeit rüstet und dies zu nutzen, um einen dicken Waller ans Band zu bekommen wird deshalb auch in den nächsten Jahren fester Bestandteil meiner und unserer Planungen sein und uns selbst bei größtem Sauwetter raus aufs Wasser treiben.

Euer …

Gedankengänge … von Sven Dombach

 

Freitag Nacht ca. 01:10 Uhr …

ich werde wach durch das aufgeregte Schreien meines Taffi`s. Kurze Orientierung und raus aus dem Schlafsack. Als ich an der Rute bin, schreit der Bissanzeiger noch genau ein mal, die Rute zuckt hektisch nach vorne und kommt genauso schnell zurück nach hinten. Totenstille … das war kein Biss zum Anschlagen. Aber es war ein Biss. Ich hasse diese Momente.

Der Fehlbiss muss mental verarbeitet werden und gleichzeitig benötigt man die Motivation, in die nassen Stiefel zu klettern und dann rein ins Boot und nochmal rausfahren, um einen neuen Köder zu präsentieren. Ich paddel lautlos und versuche auch im Boot möglichst keine unnötigen Bewegungen zu machen.

Das Wasser in der Nacht ist leise …

und jede noch so kleine Unachtsamkeit kann ein Geräusch verursachen, welches auf viele Meter von den Fischen zu orten ist. Durch die Routine von zahlreichen Nächten am Wasser benutze ich dabei kein Licht sondern orientiere mich ausschließlich an der Silhouette des gegenüberliegenden Ufers. Nach ein paar Minuten ist die Nazgul wieder scharf und ich kann mich zurück in meinen Schlafsack kuscheln. Langsam wird es wieder warm und die Nässe weicht aus den müden Gliedern. Ich verspüre ein Glücksgefühl, ich freue mich total.

Aber warum das?

Noch vor ein paar Wochen wäre so ein Fehlbiss nicht der Rede wert gewesen. Aber in diesem Moment ist alles anders. Es war mein erster Biss beim Ansitzangeln seit nun gut 4 Wochen. Und das liegt nicht daran, dass ich in letzter Zeit nicht am Wasser war. Nein, ich war konsequent mindestens 2 Nächte pro Woche draußen. Nach den sensationellen Fängen in den Monaten Mai bis Juli, hätte ich mir so eine Beißflaute nicht vorstellen können. Alles schien so einfach und Nächte ohne Biss gab es eigentlich nicht. Im Gegenteil … 3, 4, 5 und sogar 6 Bisse in einer Nacht liesen für mich das Wallerfischen als Kinderspiel erscheinen. Mir war zwar klar, dass diese gute Phase irgendwann zu Ende ist, aber dass von einer auf die andere Woche gar nix mehr geht, ist schon sehr verwunderlich.

Ich gebe mir sehr viel Mühe bei der Platzwahl …

und natürlich auch bei der Präsentation. Hier habe ich verschiedene Varianten ausprobiert aber leider ohne Erfolg. Natürlich hatte ich immer schon mal solche schlechten Phasen aber in diesem Jahr fällt der Übergang von sehr gut zu sehr schlecht schon ziemlich markant aus. Das Gute ist, dass Dies überhaupt keinen Einfluss auf meine Motivation zu haben scheint und ich gehe nach wie vor mit einem guten Gefühl ans Wasser. Ich denke immer wieder „Heute Nacht kommt einer“ und am Morgen danach wundere ich mich immer wieder, dass Kollege Silure in dieser Nacht ausgerechnet an meinen sauber präsentierten Montagen vorbeigeschwommen ist, der Lump! Mein Freund Kai macht im Moment am Neckar eine ähnliche Durststrecke durch und wir ziehen uns damit gegenseitig schon auf. Er sagt immer wir sollten besser in den „Forellenpuff“ gehen. Dort würde es wohl besser funktionieren.

Aber jetzt mal eine Frage an den Leser ?

Würde uns das Wallerfischen genauso in seinen Bann ziehen, wenn der Erfolg 100% planbar und Misserfolge ausgeschlossen wären? Wie lange würden wir das Ganze betreiben, wenn wir immer und überall Fische fangen unabhängig von Wasser, Wetter oder sonstigen Umständen. Ich kann an dieser Stelle natürlich nur für mich sprechen. Aber ich würde meine heißgeliebten Wallerruten allesamt verkaufen und meine Tagesfreizeit für spannendere Dinge verwenden.

Das ist wie mit vielen anderen Dingen auch. Wenn man etwas immer und überall bekommt, wird es sehr schnell langweilig und verliert von seinem Reiz. Und genau aus diesem Grund kann ich mich mittlerweile über eine Fehlattacke wieder so richtig freuen und ich bin mir sicher, dass mein nächster Wels ein ganz besonderer Fang sein wird.

In diesen schwierigen Tagen, was die Wallerfischerei betrifft, ist für mich das wieder einmal ganz klar gerückt, was ich eigentlich schon lange weiß …

Jeder Fisch ist etwas Besonderes!!!

In diesem Sinne …

Es kommt immer anders … von Sven Dombach

Heute möchte ich Euch …

von einem Nachmittag berichten, an dem wieder einmal nix so kam, wie eigentlich gedacht. Mein Plan war es, bewaffnet mit Schlauchboot, Echolot und Wallerholz einen sehr interessanten Gewässerabschnitt abzudriften, um mir für die kommende Herbstfischerei ein paar neue Hotspots zu suchen. Das Projekt „heimatlicher Großwaller“ schafft es immer wieder, dass ich bereit bin, viel Zeit für die Gewässererkundung zu investieren. Zeit, die ich in den Anfangsjahren meiner Wallerfischerei wahrscheinlich lieber fürs Fischen verwendet hätte.

So, noch schnell den Motor anhängen, Echolot und Geber montieren, meine kleinen Helfer ( Astschere, Opinel, etc. ) im Bootskörper verstauen und meine Wallerhölzer nicht vergessen. Geschafft! Innerhalb weniger Minuten bin ich bereit für die spannende Driftung. Eddie, komm Boot!!! Mit der Routine von vielen gemeinsamen Bootsfahrten besteigt mein stetiger Angelbegleiter, Boxer Eddie, die Bootsspitze und legt sich sogleich in gewohnter Manier ab. Ich drücke mich mit dem Paddel weg vom Boden und die Strömung beflügelt mein kleines, grünes Schlauchboot mit fast magischer Leichtigkeit.

Es herrschen wirklich perfekte Bedingungen und ich bin sehr gespannt …

was und vor allem wo sich etwas auf dem Echolot zeigt. Gutes Stichwort, Echolot. Ich drücke den Powerschalter und warte. Normalerweise ertönt ein Piepton und sogleich beginnt das Display zu arbeiten. Nix, komplett gar nix. Da hat sich bestimmt die Klemmung gelöst. Ich überprüfe alles sehr akribisch aber leider bleibt der Monitor grau. So ein Mist, in diesem Moment klingelt mein Handy…Hannes. „joooo…wat is?“ Er berichtet mir von seinen vielen Terminen und dass er total traurig ist, dass er diese Woche nicht ans Wasser kommt. Ich kann seinen Frust wirklich sehr gut nachvollziehen und ich berichte ihm sogleich von meinem aktuellen Problem … dem Sch… Echolot!!!

Hannes hat ganz merkwürdige Vorschläge zum Bewältigen meiner Misslage …

einer davon ist es, Jan anzurufen. „der bringt dir bestimmt eine frische Batterie ans Wasser, der ist doch zuhause“. „Nein, ich werde gar niemand anrufen“, erkläre ich Hannes. „Ich werde jetzt flux den ganzen Kram zusammenpacken, schnell nach Hause fahren und meine Spinnrute holen und dann einen Waller fangen.“ Nachdem mir Hannes für dieses Vorhaben viel Erfolg gewünscht hat und ich seiner Stimme schon ein gewisses Schmunzeln entnehmen kann, breche ich diese gescheiterte Aktion ab und bin in wenigen Minuten auf dem Weg zu meinem Angelkeller. Ich weiß gar nicht warum, aber aus irgend einem Grund ertappe ich mich dabei, dass ich etwas hektisch bin. Die Idee, mit der Spinnrute einen Fisch zu fangen treibt mich an und nach kurzer Zeit habe ich alles dabei, was ich brauche und das ist beim Spinnfischen nicht viel.

Früher war ich fast ausschließlich mit der Spinnrute auf der Jagd nach dem Waller, aber mittlerweile habe ich leider kapiert, dass dies zwar zu den spannendsten aber leider nicht zu den erfolgreichsten Methoden gehört. Während der kurzen Fahrt zum Wasser entscheide ich, eine mir gut bekannte Stelle zu beangeln, die mir in den vergangenen Jahren schon den Ein oder Anderen Spinnwaller beschert hat.

Am Wasser angekommen, muss ich leider feststellen …

dass diese Stelle in letzter Zeit wohl sehr stark befischt wird. Leere Madendosen, Bierdosen, Zigarettenschachteln, und…und…und! Bei dem Anblick muss ich spontan an unsere mittlerweile immer häufiger anzutreffenden „Goldzahnkormorane“ denken, die hier wohl offensichtlich regelmäßig der passionierten Fischjagd nachgehen. Arschl…. denke ich während ich einen Effzetblinker montiere, und nach kurzer Zeit fliegt dieser schon durch die Luft auf dem Weg zu dem Ort, wo der Waller wohnt. Immer und immer wieder werfe ich eine Stelle an, von der ich weiß und mir sehr sicher bin, dass sie genau die Richtige ist. Nach vielen Würfen mit keinem Erfolg, entscheide ich nun etwas tiefer zu fischen. Eine Sandra mit schwerem Bleikopf soll jetzt die Schlacht gewinnen.

Ein punktgenauer Wurf, absinken lassen und dann ankurbeln …

Während ich auf den ersehnten Biss warte, treibt ein Barsch in Ufernähe sein Unwesen und will ein paar von den Fischlein aus der Kinderstube vernaschen. Ich werfe erneut an die besagte Stelle und meine Gedanken schweifen ab….ist diese Stelle mittlerweile doch so überfischt, dass hier nix mehr geht? Meine Euphorie scheint zu schwinden und der Glaube an den, noch vor ein paar Minuten sicher geglaubten Spinnwaller, verflüchtigt sich nahezu in ein Nichts. SUM…hängt….das ist ein Wels!!! Die Kopfstöße und Schläge in die Rute lassen keinen Zweifel aufkommen. Am anderen Ende meiner Schnur hat doch tatsächlich ein Silure nach dem Rechten geschaut. Geil. Mein Freund Eddie ist sofort auf seinem Posten und erwartet den durchaus stattlich kämpfenden Fisch.

Nach ein paar Minuten zeigt dieser seinen hellen Bauch und der folgende Wallergriff stellt mich vor kein Problem. Ich ziehe den Fisch ins Gras, wo ihn Eddie wie immer von oben bis unten ableckt. Ich lege meine selbstgebaute Spinnrute neben den Fisch, gehe in die Knie und genieße für einen Moment den Anblick, der sich mir bietet. Der Haken sitzt sauber im Maulwinkel. Alles richtig gemacht, denke ich und natürlich gebe ich diesen wunderschönen Fisch zurück in sein Element. Machs gut mein Freund, vielleicht sieht man sich in ein paar Jahren wieder.

Und was habe ich aus dieser kleinen Geschichte gelernt? Ganz Klar! Flexibel sein am Wasser, die Methoden variieren und immer an den Erfolg glauben. Dieses Prinzip treibt uns weiter voran auf der Suche nach den wahren Giganten.

In diesem Sinne …

Silure en Sable … von Johannes Martin

 

Zwei bis drei Tage vor Beginn …

eines längeren Trips beginnt wohl bei jedem Wallerangler die Phase, in der man es kaum noch schafft an etwas anderes zu denken. Themen und Geschehnisse, die nicht im direkten Zusammenhang mit der bevorstehenden Herausforderung stehen, fallen im Kopf sofort durch ein Raster und werden frühestens zwei Tage nach dem Trip wieder wichtig. Für den Moment fokussiert sich alles nur noch auf den Silure, alles andere ist in diesen Stunden nebensächlich. weiterlesen