... we live the passion
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Sternstunden von Janine Pape

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Sternstunden von Janine Pape …

Der Sommer war lang und sehr heiß. Die angekündigten, letzten warmen Sonnenstrahlen zogen sich bis in den Oktober und ließen die, mittlerweile, bunten Blätter an den Bäumen in den schönsten Farben strahlen. Es geht los. Karpfenzeit! 

Die Karpfen fangen an zu fressen und bereiten sich auf den Winter vor. Ich war auch vorbereitet, denn ich habe kaum auf Karpfen geangelt in diesem Jahr und wollte den Herbst nutzen. So fuhren Sven und ich für ein Wochenende zu Hannes an einen, für mich, unbekannten See. Morgens angekommen lag er da, spiegelglatt, kein Lüftchen wehte, nur das Zwitschern der Vögel war zu hören und mein eigener Herzschlag, denn ich war aufgeregt und gespannt, was vor mir liegen würde.

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Ich erkundete mit dem Schlauchboot einen kleinen Bereich des Gewässers. Überall überhängende Äste, Weiden und Kraut so weit das Auge reichte. Die kleine Bucht, für die ich mich entschied, war etwas anspruchsvoll, da im Uferbereich ein umgestürzter Baum und  abgebrochene Äste lagen. Der See war sehr trübe und ich konnte nicht genau sehen, wie weit die Äste im See liegen. Aber ich hatte an einer Weide ein sehr gutes Gefühl. Auf einer Wassertiefe von etwa 2,50m fand ich neben dem, überwiegend schlammigen, Boden eine harte Stelle. Perfekt – aber ich muss schnell an der Rute sein, sonst zieht er in das Kraut und anschließend in die Äste, dachte ich mir.

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Spot eins war gefunden und so fielen die ersten Boilies auf den Grund

Ich entschied mich bei der zweiten Rute vorsichtshalber für einen Spot im Freiwasser, denn da könnte er „nur“ in das Kraut ziehen. Harten Grund zu finden entpuppte sich als Herausforderung und der schlammige Boden roch nicht gerade angenehm. Immer wieder klopfte ich mit einem Blei den Grund ab, bis ich endlich gefunden hatte, was ich suchte. Sofort warf ich einen kleinen Korken mit dünner Monoschnur als  Marker auf den Spot, um ihn nicht wieder zu verlieren. Mehrmals fuhr ich um den Marker herum. Es war eine kleine Stelle, ca. 1m aber dafür wenig Kraut. Meine Rute, die ich zum Abklopfen im Boot hatte, baute ich sofort um und platzierte meinen ersten Hakenköder und 3 Hände voll Boilies. Jetzt schnell zurück zum Platz und die zweite Rute fertig machen, denn es muss Ruhe einkehren.

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Alles erledigt-es kann losgehen

Es wurde etwas ruhiger. Sven und Hannes hatten in der Zeit schon den Grill angemacht. Bis es so weit war, saß ich am Ufer mit einem kalten Bier und beobachtete das Wasser. Fischaktivität war da, allerdings nicht auf meinen Spots. Nachdem ich mein Jahr hauptsächlich an Flüssen verbracht hatte, genoss ich sehr die Ruhe an dem kleinen, stillen See. Das Essen war fertig. In gemütlicher Runde saßen wir am Tisch im Schatten, mit Blick auf der Funkbox. Wir erzählten uns von unserem bisherigen Jahr, bis plötzlich der erste Ton aus meiner Funkbox kam. Es war die Rute an der Weide. Auf dem Weg zur Rute sah ich die Spitze wackeln, der Swinger schoss hoch und der Dauerton des Bissanzeigers ertönte für kurze Zeit. Ich nahm die Rute auf, sprang ins Boot und spürte den Fisch ganz leicht. Fluchten machte er keine, denn er war schon im Kraut.

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Der erste Fisch lag im Kescher. Ein kleiner Spiegler. Ich habe mich sehr über ihn gefreut, denn einen Fisch in einem unbekannten Gewässer zu fangen, ist immer etwas Besonderes, und das bereits nach 45 Minuten. Wir schossen schnell ein paar Fotos, dann durfte er wieder schwimmen und die Rute wurde neu ausgelegt.

Nachdem die Jungs mit dem Essen fertig waren, hat Hannes noch eine Welsrute ausgelegt und Sven zwei Karpfenruten. Auch bei Sven dauerte es nicht lange, bis er den ersten Biss hatte. Wir fingen wirklich viele Fische an diesem Tag und mein Weidenspot wurde  zum Hotspot. Ich hatte wahre Sternstunden, so wie ich es lange nicht erlebt hatte. Leider zogen die Karpfen nie in die Seemitte, sondern immer zum Ufer und somit mussten alle aus dem Kraut gekeschert werden, aber glücklicherweise zog keiner in den Baum. Es wurde dunkel und die Bisse blieben aus. Wir hofften auf einen Biss auf der Welsrute von Hannes, doch der blieb leider aus. Gegen Mitternacht fing ich noch einen kleinen Spiegler und danach war es ruhig. Nach dem Frühstück machten wir unsere Ruten neu in der Hoffnung, den gestrigen Tag zu wiederholen.

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Biss über Biss

Endlich tat sich etwas an meiner Rute im Freiwasser, doch leider habe ich diesen Fisch verloren. Kurz nachdem ich diese neu gelegt hatte, biss bereits der Nächste an der Weide. Während ich den Fisch gerade im Kescher hatte und auf dem Weg zum Ufer war, hörte ich den Bissanzeiger von Sven. Fliegender Wechsel! Ich mit Fisch raus, er mit der Rute rein. Hannes fotografierte mich mit meinem Karpfen und Sven drillte im Hintergrund. So ging es Samstags weiter, bis wir abends einen Fehlbiss auf der Welsrute hatten, denn die war ja schließlich auch noch im Rennen. Ich war Samstagabend ziemlich platt und ging früh schlafen. Irgendwie hoffte ich, ich muss heute Nacht keinen Fisch mehr im Dunkeln aus dem Kraut fischen, da aber wieder der Mitternachtsfisch kam und dieser zu kämpfen hatte mein 100g Blei zu bewegen, entschloss ich mich die Rute nicht mehr neu auszulegen. Ich konnte schlafen,  4 Stunden um genau zu sein, denn dann klingelte das Glöckchen an der Welsrute. Endlich! Und ich hoffte so sehr Hannes bekommt ihn. Geschafft, er hatte ihn. Er kam mit Sven zurück, hinter ihnen ging langsam die Sonne auf und versuchte sich durch den Nebel zu kämpfen. Das Beglückwünschen der beiden fand bereits im Boot mit einem Freudenschrei statt. Bei der Fotosession kamen wir durch die vielen Fische total durcheinander, denn wir wussten am Ende gar nicht mehr, wer welchen Fisch halten soll.

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Für Sven und mich hieß es so langsam an die Heimfahrt zu denken, wir frühstückten noch zusammen und warteten darauf, dass die Sonne unsere nassen Sachen etwas trocknet, denn wer ab der Dämmerung seinen Schlafsack nicht zugedeckt hatte, hat ihn auch nicht mehr trocken bekommen – ich zum Beispiel!

Wenn ich zurück denke, ein sehr schönes, lustiges und fischreiches Wochenende.

Viele Grüße, Janine

Sven Dombach

Gründer von Clan Silure und Onlineredakteur