... we live the passion
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Unsere Wallerrute … NAZGUL

März 2010 … der letzte Sonnenstrahl …

verblasst hinter den noch spärlich belaubten Bäumen der Petite Rhone. In ein paar Minuten wird die Dunkelheit Einzug halten und die Magie des nächtlichen Wallerfischens an meinem Lieblingsfluss wird mich komplett vereinnahmen. Mit ein paar Handgriffen, zügig aber keinesfalls hektisch, mache ich noch einen Abreiss-Stein fertig, hake meine handlange Schleie ein und steige mit Hannes ins Boot.

Im unvergleichlichen Abendlicht nehme ich die Kontur meiner neuen Wallerrute wahr, die ich im Bootsinneren abgelegt habe. Das Echolot zeigt 5 Meter Wasser an, ich nickte Hannes zu und kommentiere das ganze mit „AB“. Ein dumpfere Schlag gefolgt von dem markanten Knarren meiner Big Mama signalisiert das saubere Ablegen der U-Posenmontage. Ich lege den Vorwärtsgang ein und steuere unseren Angelplatz an, während Hannes die Schnur auf Spannung hält. Angekommen am Ufer springt er aus dem Boot, steckt die Schwarze in meinen Rutenhalter und spannt das Ganze in gewohnter Manier.

Mittlerweile ist es dunkel und ich sehe …

gegen den Nachthimmel die saubere, kraftvolle Biegekurve meiner neuen Rute. Der Moment, wenn man vom Auslegen zurück ans Ufer kommt, mit dem Gefühl alles richtig gemacht zu haben und man sich gänzlich dem Warten auf den ersehnten Biss widmen kann, gehört für mich zu den intensivsten Gefühlen, die ich beim Wallerfischen kenne. „Nun sind 6 scharf“ flüstert mir Hannes zu. Wir grinsen uns an und ohne Worte stellt mir mein Angelpartner eine kleine, grüne Flasche 33er hin. Wortlos öffne ich die Flasche und das anschließende Klirren unserer Flaschen unterbricht die Stille, die uns umgibt.

Ich bin gerade dabei mein Bier abzustellen, als sich die, vor wenigen Minuten abgelegte Rute nach vorne verneigt, kurz zurück kommt und sich dann immer weiter nach unten ziehen lässt, bis meine Penn unter hörbarem Protest endlich etwas Schnur frei gibt. „BISS“….. ich nehme die Rute aus dem Rutenhalter und quittiere das Ganze mit einem kräftigen Anhieb. „Er hängt“ rufe ich Hannes zu und der Waller beginnt an der Kante zur Strömung zu toben. Plötzlich enden die wilden Kopfstöße des Fisches und die Schnur verliert an Spannung. Das fängt ja gut an, denke ich. „ Der ist ausgestiegen war sicher ein Kleiner“. Während ich das sage, sprechen meine Gedanken eine deutlichere Sprache. Das war ein guter Fisch!!!. Nicht ärgern, schnell wieder die Rute raus bringen, der kommt wieder!!!

Gegen Mitternacht, wir haben uns gerade in unsere Schlafsäcke gekuschelt …

wiederholt sich das Ganze. Ich werde vom hektischen Piepsen des blau leuchtenden Taffis wach. Kurz sammeln, in die Crocs schlüpfen und schnell zur Rute. Diesmal komme ich nicht dazu einen Anhieb zu setzen … der Fisch nimmt einfach Schnur und zieht flußab. Mittlerweile steht mein Freund Hannes neben mir. „Läuft hier eine Drillung oder was machst du?“ Das ist kein Drill antworte ich …. ich habe die Mutter aller Welse gehakt. Ich habe noch nie einen so mächtigen Widerstand am anderen Ende meiner Schnur gespürt. Das Ganze bringt mich an meine körperliche Grenze und mir wurde am nächsten Tag berichtet, dass ich mir während des Drills mehrfach an den Rücken gegriffen haben soll. Ich hätte nicht wirklich eine gute Figur gemacht !? Ob ich das glauben soll ???

Während des Drills verliert man jegliches Zeitgefühl …

und deshalb kann ich gar nicht sagen, wie lange das ganze Spiel wirklich gedauert hat. Auf jeden Fall habe ich es noch Tage danach gespürt. Hannes hatte sich irgendwie den Magen verdorben und plötzlich verabschiedete er sich aus der Drillszene mit den Worten: „ das dauert hier wohl noch länger, ich muss mal schnell in die Büsche“. Sachen gibt’s. Am Ende der Schnur ein Ungeheuer und mein Angelkumpel geht ka…en!? Ich ziehe an meiner Rute, die sich wirklich beängstigend durchbiegt. Jetzt fällt es mir ein, der erste Drill mit meiner Neuen. Wahnsinn, die kann was, denke ich und ziehe noch etwas mehr. Das würde ich normalerweise niemals mit einer neuen Rute so machen, deren Drilleigenschaften ich noch gar nicht kenne. Aber mit diesem Gerät ist es anders. Seit dem Moment, in dem ich den Blank zusammengesteckt und dann langsam Druck aufgebaut habe, war mir klar, dass ich endlich gefunden habe, wonach ich solange gesucht hatte.

Gehen wir ein halbes Jahr zurück …

Hannes und ich fischen an der Grande Rhone in der heißen Julisonne. Unser Spot liegt jenseits der 200 Meter Richtung Flussmitte und das Fischen auf diese Entfernung stellt besondere Anforderungen an die Rute. Ich fische 2 blaue Bulldozer und zwei New Age Distanz Boje. Hannes fischt ebenfalls zwei Bulldozer und seine geliebten Hardcore`s. Nach vielen Bissen und einigen Drills, ist uns beiden klar, dass wir leider nicht die optimale Wallerrute im Gepäck haben. Die New Age hat unheimlich viel Power, ist aber so hart, dass es nicht wirklich Spaß macht mit ihr zu drillen. Von der Gefahr durch ausschlitzende Haken Fische zu verlieren, ganz zu schweigen. Die Bulldozer hat einen reinen Glasblank, ist wesentlich weicher und bringt am Fisch unheimlich viel Freude. Allerdings fehlt ihr der gewisse Bums, die sogenannte „Liftingpower“, die man braucht, um in Extremsituationen den Fisch anzuheben. Die Hardcore ist eine feine Rute aber nix für immer und überall.

Nach diesem Trip stand fest …

Wir müssen auf die Suche nach einem geeigneten Blank gehen, der unsere Ansprüche erfüllt. Konkret erschien uns eine Rute, die zwischen Bulldozer und New Age liegt, als die perfekte Lösung. Zahlreiche Besuche bei den mir bekannten Rutenbauern und die Studie des aktuellen Rutenangebot`s hat mir schnell gezeigt, dass dies nicht so einfach ist. Der Blankmarkt ist mit wirklich geeigneten Wallerblanks sehr dünn bestückt. Die Gradwanderung zwischen geringem Gewicht und Haltbarkeit geht oftmals schief und die mir angebotenen Blanks würde ich nicht mal zum schweren Hechtfischen nehmen.

Als ich schon gar nicht mehr damit rechnete …

ist mir ein Glasblank der Firma CONOFLEX in die Hände gefallen. Den ersten Eindruck beim ersten Zusammensteckens dieses reinen Glasblanks habe ich oben beschrieben. Ohne Worte und genau das was ich gesucht habe. Als mein Freund Hannes zum gleichen Urteil kommt und ein Dauergrinsen aus seinem Gesicht nicht mehr weg zu bekommen ist, steht fest: Wir sind am Ziel, wir haben unseren Blank gefunden. Schwarz in der Optik, dicker Durchmesser, sehr dickwandig, solide Zapfenverbindung und nicht gerade leicht, liegt der Blank trotzdem ausgewogen und harmonisch in der Hand. Wir sprechen hier von einem Großfischgerät, was dauerhaft die harten Belastungen des Wallerfischens übersteht. Damit sind nicht nur die Belastungen am Fisch gemeint, sondern eben auch das oftmals lieblose und grobe Handling im Boot.

Wir waren so begeistert von dem Blank, dass wir uns beide sofort entschieden je drei davon zu nehmen. Als wir den Blank unseren Teamkollegen präsentierten, waren die natürlich auch heiß und so kam es, dass über den Winter in meiner Werkstatt 12 Schwarze geschmiedet wurden.

Bezüglich der Optik gab es anfangs kleine Meinungsverschiedenheiten …

Silberbeschläge, ergonomisch geformter Duplon, Farbspielereien etc. haben uns einige schlaflose Nächte bereitet. Je mehr ich mich mit dem Projekt auseinander gesetzt habe, war für mich klar: Das Teil muss unplugged und oldscool werden. Ich habe bewusst auf jeglichen Schnörkel verzichtet und die Rute auf Haltbarkeit und Robustheit ausgerichtet. Das ganze in mystisch, schwarzer Optik …. einfach nur GEIL!!! Auch Hannes war schnell von dieser Idee überzeugt und dann habe ich die Teile an vielen, langen Winterabenden aufgebaut. Heute bin ich sehr froh, dass wir uns für diesen Weg entschieden haben. Sie sind noch besser geworden, als gedacht

Doch nun zurück an die Petite zu meinem Drill …

„Ich bekomme den Fisch einfach nicht bei, kann nix machen“ rufe ich Hannes mit krampfiger und mittlerweile kraftloser Stimme zu. Ich will, dass es zu Ende ist und beginne mit letzter Kraft noch stärker zu ziehen und noch etwas mehr. Endlich bemerke ich, dass sich das schwere Etwas langsam vom Boden löst und ich Zentimeter für Zentimeter Schnur zurückgewinne. Ich schwitze und spüre deutlich die Milchsäure im ganzen Körper.

Er kommt immer näher und ich bin wirklich sehr gespannt, wie groß er ist. Hannes zieht sich seine Landehandschuhe an und watet ein paar Meter ins Wasser. Seine Kopflampe erlaubt uns einen Blick auf das trübe Wasser, wo sich jeden Moment der Urian zeigen wird. Ein Schwall und dann geht alles ganz schnell. Hannes greift beherzt zu, einen Moment ist es ganz still, dann höre ich ihn laut lachen. „Was ist los?“ Hannes kommt mit einem Fisch im Schlepptau zurück ans Ufer.

Der Fisch ist ein guter 2+ aber kein Riese …

nicht der erwartete Gigant jenseits der 100 kg Marke. In seiner anderen Hand hält Hannes meinen Seaboom fest. An ihm befindet sich immer noch die Abreißleine und auch der Stein. „Respekt Alter“ höre ich ihn schreien. „Ein 2+ samt Bojenstein gegen die harte Strömung muss dir erstmal einer nachmachen. Und eines ist gewiss … DIE SCHWARZE HÄLT!!!“ Und sie hat wirklich gehalten.

Nach 9 Tagen Fischen hat die „Schwarze“ einige stattliche Rhonebüffel bezwungen und das Ganze mit Leichtigkeit und Souveränität. Sie war nie an ihrer Grenze und ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, ein Gerät in der Hand zu halten, das es auch mit dem „ganz Großen“ aufnehmen kann. Ganz im Sinne des „in Search of the REAL GIANTS„.

Und jetzt interessiert Euch sicher noch welchen Namen unsere Schwarze trägt …

Das bedeutet übersetzt Ringgeist, angelehnt an Tolkiens „Herr der Ringe“. Mario hat es in seinem Bericht „Faszination Driftfischen“ perfekt beschrieben. In der kleinen Rhone gibt es ein paar ganz markante Stellen, an denen die Ringgeister wohnen. Ringgeister sind alte Fische, über die man sich Legenden erzählt. Die noch nie bezwungen wurden, aber deren Größe und Kraft beängstigend und magisch zu gleich ist.

Wenn das Echo dieser Fische auf dem Bildschirm erscheint wird es immer ganz still im Boot und die Hoffnung, dass er jeden Moment kommt, der ersehnte Biss, bewirkt Gefühle, die ich mit Worten nicht beschreiben kann. Es wäre immer nur ein Versuch und ein Abklatsch dessen, wie es sich wirklich anfühlt. Und mit der „Nazgul“ haben wir jetzt ein Werkzeug, um die Ringgeister mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Unbeugsame Kraft und ein Hauch von Magie !!!

 Daten:

  • CONOFLEX Blank, gekürzt auf 3.05 Meter (verzapft)
  • PACIFIC BAY Edelstahllaufringe CSBG (7+1)
  • PACIFIC BAY Spitzenring CSBT
  • Schraubrollenhalter FUJI Heavy Duty 26er
  • Fester Duplon für Vor- und Rückgriff
  • Schwarze Gummiabschlusskappe
  • Gudebrot Bindegarn in Schwarz/ Stärke D – gebaut mit Unterwicklung
  • Kein Windingcheck
  • 4fach Lackierung
In diesem Sinne …

Sven Dombach

Gründer von Clan Silure und Redakteur der Fachzeitschrift Cats illustrated.