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Einsteigertipps – Die Stockmontage

Wenn Ihr diese Zeilen lest, hat uns der Sommer fest im Griff. Lange Tage, kurze Nächte. Die Hitze ist allgegenwärtig und treibt die Wassertemperaturen in die Höhe. Am Ufer sitzend kann man in der Dämmerung und in den frühen Morgenstunden vermehrte Aktivität in den flachen Bereichen der verschiedenen Gewässer beobachten. Kleinfische spritzen förmlich durch die Gegend, auf der Flucht vor den Raubfischen, die ihnen selbst in sehr geringen Wassertiefen nachstellen. Auch der Wels besucht diese seichten Abschnitte auf der Suche nach Nahrung. Eine gleichermaßen simple wie effektive Methode, um die Silure dabei an den Haken zu bekommen, ist die Stockmontage, wie sie Simon Reimann auch in seinem Bericht über kleine Köderfische beschreibt. Diese Montage möchte ich Euch in dieser Ausgabe unserer „Anfängertipps“ näher erklären, damit auch Ihr bald Euren ersten Flachwasserwels in Händen halten könnt.

Wann gehe ich am Stock?

Die Stockmontage eignet sich, wie bereits erwähnt, hervorragend, um flache Gewässerbereiche zu beangeln. Dabei ähnelt sie der Bojen-Montage sehr. Einziger Unterschied ist der Fixpunkt. An Stelle der Boje, des Bojenseils, das bis zum Grund führt und dem Gewicht, das zur Verankerung dient, benötigen wir lediglich einen einfachen Stock, den wir in den Gewässergrund rammen, um später daran unseren Ausleger zu fixieren. Lohnenswert ist es, die Falle so zu platzieren, dass die Abrisse der flachen Gebiete, hin zum tiefen Wasser, zugemacht werden. Auch ein Köder in extrem flachem Wasser kann zum Erfolg führen – 30 bis 40 Zentimeter sind dabei kein Problem für die Silure. Vor allem in den sehr frühen Morgenstunden suchen auch größere Welse die flachsten Bereiche auf, um dort zu rauben. Die Bisse sind dabei meist ein Spektakel für Augen und Ohren. Auch wenn die Futterfische wie Brassen und Karpfen im Frühling und Frühsommer beim Liebespiel das flache Wasser umgraben, ist der Stock eine echte Bank.

 

Warum nicht Boje?

Natürlich ist es grundsätzlich möglich auch in sehr geringen Wassertiefen eine Boje zu setzen und den Köder so an unseren Wunschort zu platzieren. Allerdings wäre das mit einem viel größeren Aufwand verbunden, denn wir benötigen Auftriebskörper, Bojenseil und ein ausreichend großes Gewicht. Dem gegenüber steht bei der Stockmontage ein einfacher Stock.

Des Weiteren, und das ist noch viel entscheidender, können wir mit dem Stock viel unauffälliger agieren. Eine Boje erzeugt immer Störgeräusche und ist ein Fremdkörper im Gewässer. Der Stock ist völlig natürlich und erzeugt, solange er nicht von starker Strömung, oder heftigem Wind  heimgesucht wird, wenig bis keine Störgeräusche.

Stock ist nicht gleich Stock

Grundsätzlich kann jeder halbwegs gerade Ast als Stab benutzt werden. Dabei sollte man darauf achten, dass er eine ausreichende Festigkeit besitzt, um auch dem Druck einer, auf große Distanz gespannten Montage Stand zu halten. Nachdem ich es leid war, mir bei jedem Flachwasser-Ansitz ständig neue Äste zu suchen, die nie wirklich meinen Vorstellungen entsprachen, habe ich mir im Bauhaus einige Bambusstöcke für kleines Geld besorgt. Diese halten auch großem Abspanndruck stand und lassen sich sicher im Boden verankern. Die Länge der Stäbe sollte so gewählt werden, dass sie mindestens 50 Zentimeter im Boden stecken, gleichzeitig aber um das gleiche Maß über die Wasseroberfläche hinausragen. So bekommen wir die Schnur, auch bei etwas länger gewählten Auslegern, sicher aus dem Wasser. In meinem Fall entspricht das einer Länge von ca. 2,5 – 3 Meter, die sich, zugegebenermaßen, etwas abenteuerlich im Kombi transportieren lassen. Aber bei dem, was man sonst so auf sich nimmt, um an einen der Bartelträger zu kommen, ist das sicherlich eine der angenehmeren Übungen.

 

Da der Gewässerboden nicht immer weich und sandig ist, benötigt man in manchen Fällen einen Hammer, um die Stöcke in den Boden rammen zu können. Damit unser Stock dies überlebt bedarf es natürlich eines gewissen Fingerspitzengefühls und zwei kleiner Vorbereitungsmaßnahmen. Zum einen spitze ich die Stöcke am unteren Ende etwas an, was ein leichteres Eindringen zulässt. Außerdem drehe ich am oberen Ende eine Schraube in den hohlen Bambus. Diese wähle ich in einer Größe, sodass sie nicht einfach hineinrutscht, sondern sich nur unter Kraftaufwand  eindrehen lässt. Das Ganze hält bombenfest, und ich kann den Kopf der Schraube als Aufschlagfläche für meinen Hammer nutzen, ohne den Stock durch die Schläge zu beschädigen.

 

Einfach und dezent

Die Montage, die ich beim Stockfischen verwende, ist sehr simpel. Sie besteht lediglich aus einem Wirbel, den ich am Ende der Hauptschnur befestige. Hier hänge ich später mein Vorfach ein. Die Abreißleine binde ich mittels eines speziellen Knotens in die Hauptschnur ein. Diese sollte so dünn wie möglich ausfallen, da der Stock, egal wie dick er ist, niemals so lagestabil ausfallen kann, wie ein Baum am Ufer, oder eben eine Boje. Es besteht die Gefahr, dass der Stock beim Biss abknickt oder sich aus dem Boden löst, bevor die Reißleine gesprengt wird. Dennoch müssen wir bedenken, dass wir teilweise große Distanzen zu überwinden haben.  Das wiederum spricht gegen eine zu dünne Reißleine, da wir sonst die Schnur nicht komplett aus dem Wasser gespannt bekommen, was allerdings sehr wichtig ist. Ich bevorzuge deshalb Reißleinen mit einem Durchmesser von 0,30-0,35mm und einer Länge von ca. 15cm. Das Vorfach wähle ich meist relativ kurz, ca. 60-80 Zentimeter. Möchte ich den Köderfisch tief am Fuße des Abbruchs der Sandbank anbieten, benutze ich gerne Bleie oder einen Stein, den ich aufs Vorfach aufziehe, um meinen Köder in der gewünschten Tiefe zu halten. Will ich ihn jedoch direkt an der Oberfläche präsentieren kann es in Ländern, in denen das Angeln mit lebendem Köderfisch gestattet ist lohnen, den Köderfisch etwas anders als gewohnt anzuködern. Bringe ich den Führungs-, also den Einzelhaken im Nackenbereich des Köfis an und platziere den Drilling in der Nähe der Afterflosse bewirke ich, dass der Köfi immer im Kreis schwimmt, anstatt stur nach unten zu arbeiten. So strahlt er auf den Waller eine viel größere Lockwirkung aus, was dieser meist mit einer beherzten Attacke quittiert und das flache Wasser zum Brodeln bringt.

Ein, wie bereits erwähnt, wahres Spektakel für Augen und Ohren, bei dem Ihr Euren Pulsschlag bis in die Halsschlagader spüren werdet. Also Jungs, lasst das flache Wasser kochen.  Ich wünsche viel Spaß dabei!

 

 

(Erschienen in der CATS illustrated Ausgabe 3 # 2013)

 

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Sven Dombach

Gründer von Clan Silure und Redakteur der Fachzeitschrift Cats illustrated.